Achtung!

Vorsicht!

Big Brother is watching you!

Kein Scherz!


Seht selbst:

http://panopti.com.onreact.com/swf/index.htm





Die Geschichte über Herrn Müller

oder

Wie wird abkassiert:


Das auf dem Bild, das ist der Herr Müller.

Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden. Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart.

Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat.

Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld.

Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt.

Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt.

70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.


Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt.

Hurra, Herr Müller.

Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte. Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst, es ist nämlich kein Geheimnis.

Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so. Also was hat er gemacht, der Herr Müller?

In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat, als er abgebaut hat.

Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen. Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.


Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter.

Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern.

Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe.

Da spart er was, der Herr Müller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muss ich euch sagen, dass man so etwas einfach nicht tut.


 

Nun ist es ja so, dass die Milchprodukte des Herrn Müller ja nicht nur aus Milch bestehen. Angeblich sind in einigen der lustig bunten Becher bzw. Flaschen auch noch Früchte und sogenannte Cerealien drin.

Damit will der Herr Müller den Menschen weiss machen, dass seine Produkte zur gesunden Ernährung beitragen. Allerdings sind die leckeren, süssen Früchte lediglich auf die Verpackung aufgedruckt. Im Becher jedoch befindet sich nur genmanipuliertes Verdickungsmittel aus Sojabohnen, das mit viel Zucker und künstlichen Aromen geniessbar gemacht wurde.

Auch die Bauern von denen der Herr Müller die Milch kauft sind gar nicht zufrieden mit dem was der Herr Müller macht. Denn der Herr Müller zahlt den Bauern weniger für die Milch als es die EU vorsieht.

Wenn Ihr jetzt erneut wissen wollt, warum solche Leute wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muss ich Euch nochmals sagen, dass man so etwas wirklich nicht macht!

Wenn Ihr aber das nächste Mal im Supermarkt seid, dann laßt doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso Gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff "soziale Verantwortung" noch eine Bedeutung hat.

Ach übrigens, da fällt mir ja ein, der Herr Müller will auch Erbschaftsteuer sparen und hat daher beschlossen, seinen Wohnsitz nach Österreich zu verlegen.

Wenn Ihr auch der Meinung seid, dass sich ein solch ausbeuterisches Verhalten auf Kosten von Steuergeldern nicht gehört, schickt diesen Beitrag doch ein wenig durch die Republik, damit alle Leute sehen, wo ihre mühsam erarbeiteten Steuergroschen bleiben.

Ach ja... an alle, an denen DAS noch vorbeigegangen ist; der Herr Müller unterstützt auch noch die NPD - mit den Leuten dieser Partei ist der ehrenwerte Herr Müller nämlich gut befreundet. Ein weiterer Grund, seine Produkte nicht mehr zu kaufen!!!


P.S. Bitte weiterleiten, damit viele mitkriegen wie es läuft. Wir können nur über Produkt-Boykott etwas erreichen.

Schwarz-roter Stern

Der schwarz-rote Stern steht für den Anarchosyndikalismus. Soweit ich weiß stammt schwarz-rot aus der Zeit der spanischen Revolution bzw. des spanischen Bürgerkriegs.

Die Farbe "rot" ist die Farbe der Arbeiterklasse und steht für Sozialismus. Schwarze Fahnen wurden schon immer gerne von Anarchisten benutzt und stehen in diesem Zusammenhang halt eigentlich für den Anarchismus

Der Anarchosyndikalismus verbindet den Kampf um den Sozialismus mit der antistaatlichen, auf Selbstverwaltung gegründeten Gesellschafts-Konzeption des Anarchismus.

Was ist Anarchosyndikalismus?

Der Syndikalismus (von Syndikat=Gewerkschaft) entstand als Reaktion auf den zunehmenden Reformismus der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften Ende des letzten Jahrhunderts. Unter dem Einfluß des Anarchismus entwickelte sich innerhalb des Syndikalismus eine Gewerkschaftsbewegung mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive (FAUD) und nannte sich fortan Anarcho-Syndikalismus.

Der Anarcho-Syndikalismus verbindet den Kampf für den Sozialismus mit der antistaatlichen, auf Selbstverwaltung gegründeten Gesellschaftskonzeption des Anarchismus.

Die Anarcho-SyndikalistInnen lehnen die Organisation ihrer Interessen in zentralistisch aufgebauten Parteien und Organisationen ab. Gegen Stellvertreterpolitik und Parlamentarismus setzen sie die Selbstorganisation der Arbeitenden in autonomen, unabhängigen Gruppen, die miteinander auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene zusammengeschlossen sind. Zur Durchsetzung ihrer Ziele und Forderungen dienen ihnen die Mittel der Direkten Aktion. (z.B. Besetzungen, Boykotts, Streiks usw.) Sie lehnen im Gegensatz dazu "indirekte" Maßnahmen wie die parlamentarische Betätigung ab. Das Ziel des Anarcho-Syndikalismus ist die herrschaftsfreie, auf Selbstorganisation aufgebaute und auf Selbstverwaltung gegründete Gesellschaft.

Anarcho-SyndikalistInnen kämpfen für die Verbesserung der derzeitigen Arbeits- und Lebensbedingungen. Sie bleiben jedoch nicht dabei stehen, sondern arbeiten für die Errichtung einer libertären und klassenlosen Gesellschaft. Dazu gehört auch die Aneignung der Fähigkeiten einmal Fabriken, Dienstleistungsbetriebe und Landwirtschaft durch die Selbstverwaltung der dort Beschäftigten übernehmen zu können. Unter anderem hierin besteht die Kreativität des Anarcho-Syndikalismus und hierdurch löst er auch die problematische Frage des Übergangs von einer libertären Revolution zur herrschaftsfreien Gesellschaft.

Das Hakenkreuz (Swastika) im Hinduismus

Das Hakenkreuz ist ein Symbol aus der Kultur der Arier. Das Wort „Swastika“ ist Sanskrit und heißt „Glück“ oder „Wohlbefinden“. Für Hindus, Jains und Buddhisten ist das Hakenkreuz verheißungsvoll und wird von Hindus und Jains auf Bücher oder Häuserwände gemahlt. Auch in Tempeln ist das Swastika häufig zu finden. In der Regel wird das Zeichen in weißer Farbe auf schwarzem Hintergrund dargestellt.

Das Hakenkreuz kommt ursprünglich aus dem griechischen Raum. Dabei gibt es zwei Unterscheidungsformen:

Das rechtsdrehende Swastika dreht sich im Urzeigersinn und symbolisiert die Sonne und das Feuer.

Das linksdrehende Swastika dreht sich gegen den Urzeigersinn und symbolisiert das Böse. Die Göttin Kali wird häufig damit assoziiert.

Das Hakenkreuz kam auch in anderen Kulturen vor.

Schon bei den Kelten, den Byzantinern und den Griechen hatte es symbolhafte Bedeutungen. Auch in Begräbnisstätten der Indianer wurde es vereinzelt gefunden und in der Zeit zwischen 3000 v.Chr. und 300 n.Chr. hatte es in England eine starke Bedeutung. Im Christentum hatte das Hakenkreuz ebenfalls eine Bedeutung und wurde in den christlichen Katakomben aus der Zeit der Christenverfolgung gefunden. In Skandinavien wurde das Zeichen mit dem Hammer des Thor, dem nordischen Gott des Donners und des Blitzes, assoziiert.

Im Jahre 1920 übernahm Adolf Hitler das linksdrehende Swastika als charakteristisches Emblem der Nazi- Partei. Seitdem ist das Hakenkreuz das meistgehassteste Symbol der Welt.

1928-1967 Ernesto (Ché) Guevara Serna

Politiker

1928

14. Juni: Ernesto (genannt "Ché") Guevara Serna wird in Rosario/Argentinien geboren.

1947

Beginn des Studiums der Medizin in Buenos Aires.

1953

Nach seiner Promotion zum Dr. med. verläßt Guevara Argentinien, um an einer bolivianischen Lepra-Station zu arbeiten. Er entgeht damit dem Militärdienst unter dem ihm verhaßten Staatspräsidenten Juan Domingo Peron (1895-1974).

1954

Guevara versucht vergeblich den Widerstand gegen den neuen guatemaltekischen Präsidenten zu organisieren. Danach trifft er in Mexiko auf Fidel Castro und dessen Anhänger, die medizinische Hilfe benötigen. Guevara schließt sich der Gruppe an und erhält den Beinamen "Ché".

1956-1959

Als einer von 80 Revolutionären schifft Guevara sich auf der "Gramma" von Mexiko aus ein, um Kuba "zu erobern". Die wenigen Überlebenden der Aktion organisieren einen jahrelangen Guerillakrieg in der Sierra Maestra/Kuba.

1959

Seine Verdienste bei dem Sturz des kubanischen Diktators Fulgencio Batista y Zaldívar (1901-1973) werden ihm mit der Erklärung zum "von Geburt Kubanischer Staatsbürger" gedankt.

Im November wird er als bestimmender Wirtschaftsberater und eigentlicher Ideologe der neuen Regierung zum Leiter der Nationalbank von Kuba ernannt.

1959-1961

Guevara besucht mehrmals Ost-Berlin und Moskau.

ab 1961

Industrieminister in der kubanischen Regierung. In dieser Funktion löst Guevara die Wirtschaft Kubas aus der Verflechtung mit westlichen Ländern und sucht verstärkt die Einbindung in den Ostblock. Außerdem steht Guevara für die Nationalisierung, Beschlagnahmung und Enteignung des gesamten nordamerikanischen Eigentums auf der Insel. In dieser Zeit wird ein großes ländliches Siedlungs- und Bildungsprogramm durch die Enteignung des Großgrundbesitzes begonnen.

1962

Guevara verhandelt mit der UdSSR über sowjetische Waffenlieferungen und Hilfsleistungen. Die Stationierung von sowjetischen Raketenabschußrampen führt im Herbst des Jahres zur Kuba-Krise. In der Folgezeit kritisiert Guevara die mangelnde Produktivität und Ordnungsliebe der Kubaner und die erfolglosen Versuche der sowjetischen Berater bei der Organisation der Verwaltung des Landes.

1964

Mit dem Drängen der UdSSR, in Kuba wieder die Zucker-Monokultur einzuführen, wird Guevaras Industrieplan um Jahre veschoben.

1964/65

Reise durch afrikanische und asiatische Staaten, darunter auch die Volksrepublik China.

Oktober: Fidel Castro verliest einen angeblichen Abschiedsbrief Guevaras, in dem dieser auf all seine Ämter und die kubanische Staatsangehörigkeit verzichtet, um sich wieder dem "Kampf gegen den Imperialismus" zu widmen.

1966

Zusammen mit anderen Guerillakämpfern läßt sich Guevara nach Bolivien einschleusen. Im bolivianischen Dschungel beginnt er mit dem Aufbau eines Guerillalagers.

1967

Eine kubanische Zeitschrift veröffentlicht eine angebliche Botschaft Guevaras an die Kubaner, in Lateinamerika "mehrere Vietnams" zu schaffen. Mit der Bildung vieler ähnlicher Krisenherde wie in Vietnam hofft Guevara die USA zu schwächen.

Der bolivianische Präsident bezeichnet Guevara als Urheber der dortigen Guerillatätigkeit und setzt eine Prämie auf Guevaras Kopf aus.

9. Oktober: Ernesto "Ché" Guevara stirbt vermutlich bei einem Gefecht mit der bolivianischen Armee bei Higueras. Da die Leiche nach bolivianischen Angaben eingeäschert und an einem unbekannten Ort beigesetzt wird, ohne eindeutig identifiziert worden zu sein, bleiben Zweifel an der Identität des Toten.

1997

Wissenschaftler entdecken in Bolivien das später als echt identifizierte Skelett von Guevara. Damit erweist sich die frühere Behauptung, er sei eingeäschert worden, als falsch. Der Leichnam wird nach Kuba überführt und mit einem Staatsbegräbnis in einem Mausoleum in Santa Clara beigesetzt.

20 Jahre Tschernobyl

Die Folgen des Super-Gaus

Zürich 24|04|2006

Die Explosion des Tschernobyl-Reaktors am 26. April 1986 setzt mehrere Tonnen hochradioaktives Material frei. Die radioaktive Wolke steigt in die Atmosphäre auf und zieht Richtung Westen. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind dramatisch und heute noch spürbar.





http://info.greenpeace.ch/de/atom/attachments/hg_tscherno.pdf

Die Strahlen machen krank

Am stärksten betroffen sind jene Menschen, die in der Ukraine, Weissrussland und Russland leben. Dort geht die meiste Radioaktivität nieder. Ebenso betroffen sind die rund 860.000 Liquidatoren, die wochenlang am zerstörten Reaktor versuchen, die Katastrophe einzudämmen.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden in den ersten Tagen nach dem Unglück zwei Millionen Kinder mit radioaktivem Jod verstrahlt. Experten gehen davon aus, dass ein Drittel der Kinder, die zum Zeitpunkt der Kernschmelze bis zu vier Jahre alt waren, im Laufe ihres Lebens Schilddrüsenkrebs erleiden werden. Nur 15 Prozent aller Kinder der Region gelten heute als gesund.

Die Strahlen machen krank: Sie bringen Schilddrüsenkrebs, Lungenkrebs, Magenkrebs sowie chronische Erkrankungen wie Diabetes, bösartige Bluterkrankungen und eine Immunschwäche, das so genannte Tschernobyl-Aids. Aufgrund der Schädigungen des Erbguts kommt es vermehrt zu Missbildungen bei Neugeborenen. Der Super-GAU hinterlässt weitere tiefe Spuren: Dorfgemeinschaften, Familien werden auseinander gerissen, hunderttausende Menschen verlieren ihre Heimat.

Verstrahltes Land

In Weissrussland werden nach dem Super-GAU 7.000 Quadratkilometer zur Sperrzone und Zone strikter Kontrolle erklärt. Etwa 23 Prozent des Staatsgebietes sind stark verstrahlt. 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind radioaktiv verseucht. In den betroffenen Gebieten leben zurzeit des Unfalls 2,2 Millionen Menschen. 135.000 werden umgesiedelt, weitere 565.000 verlassen ihre Heimat.

Heute leben noch 1,5 Millionen Menschen in der kontaminierten Region. Schätzungen zufolge werden die wirtschaftlichen Schäden bis zum Jahr 2015 insgesamt 235 Milliarden US-Dollar betragen, das ist mehr als zehn Mal so viel wie das Bruttoinlandsprodukt Weissrusslands im Jahr 2004.

In der Ukraine werden 1.000 Quadratkilometer zur Sperrzone und Zone strikter Kontrolle erklärt. Etwa fünf Prozent des Staatsgebietes sind stark verstrahlt. In den betroffenen Gebieten leben zum Zeitpunkt des Unglücks 2,6 Millionen Menschen. 160.000 Menschen werden umgesiedelt, weitere 150.000 verlassen ihre Heimat. Laut Schätzungen werden die wirtschaftlichen Schäden bis zum Jahr 2015 auf insgesamt 201 Milliarden US-Dollar anwachsen. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt beträgt im Jahr 2004 ca. 64,8 Milliarden US-Dollar.

In Russland sind 1,5 Prozent der Landfläche kontaminiert. 50.000 Menschen werden umgesiedelt. In den verstrahlten Gebieten lebten ursprünglich 2,7 Millionen Menschen, heute sind es nur noch 1,8 Millionen.

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Greenpeace-Report: Die verleugneten Opfer von Tschernobyl

Seit dem 26. April 1986 steht der Name Tschernobyl für die Schrecken der ausser Kontrolle geratenen friedlichen Atomenergie. Die Atomlobby leugnet die verheerenden Folgen des Super-Gau bis heute. Der Vertuschung und gezielten Desinformation tritt Greenpeace mit einer neuen Studie entgegen. Sie untersucht die verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe auf die betroffenen Menschen in Weissrussland, Russland und der Ukraine.

Kuhle Wampe

was heißt denn das schon wieder??

Der Begriff "Kuhle Wampe" hat nichts mit "cool" zu tun. Er kommt aus dem Berliner Raum und heißt soviel wie "leerer Bauch". "Kuhle Wampe" war auch der Name einer Berliner Laubenkolonie in den Zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts. Über das Leben der Arbeiter und Arbeitslosen in dieser Kolonie drehte Bertolt Brecht einen Film. Er hieß "Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt" und beschrieb die Gemeinschaft der Laubenbewohner als ein solidarisches Miteinander, in dem auch die schwierige damalige Lage durch Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe gemeistert werden konnte. Und: In diesem Film wurde auch Motorrad gefahren. So kam der Name an den Motorradclub. Wir wollen die solidarische Tradition dieses Namens fortführen.

Wir sind ein bundesweiter Verband von ca. 60 Motorradclubs. Wir haben uns schon immer als ein etwas anderer Motorradclub verstanden. Wir wollen nicht dem Image des "Rasenden Rowdys" entsprechen, sondern auch mal über den Tacho hinausdenken. Daß dabei auch der Spaß nicht zu kurz kommt, versteht sich von selber...

Zur Zeit sind wir bundesweit etwa 600 Mitglieder. Wir fahren Gummikühe, Betonmischer, Emmies, Reisbrenner und sonstige Gefährte zwischen 1 und 100 PS, die sich alle recht gut vertragen. Außer Mopedfahren laufen noch alle möglichen anderen Aktivitäten.

Präambel

Kuhle Wampe (Leerer Bauch) war der Name einer Zeltdorfkolonie am Rande Berlins während der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre. Wie in dem gleichnamigen Film von Bertold Brecht gezeigt, wurden dort Sport- und Freizeitveranstaltungen, u.a. Motorradrennen, organisiert. In einer Zeit, die geprägt war von Massenarbeitslosigkeit und drohendem Faschismus, zeigte der Film am Beispiel des ArbeiterInnensports, daß die Interessen der Bevölkerung nur von ihr selbst und gemeinsam vertreten werden können. Unsere Clubs haben sich den namen "Kuhle Wampe" gegeben, weil die wesentlichen Aussagen des Films heute noch Gültigkeit haben.

Seit 1885, als das erste Motorrad gebaut wurde, übt dieses Fortbewegungsmittel eine starke Faszination auf viele Menschen aus. Schnelligkeit und Beschleunigungsvermögen, die Möglichkeit, auch die entferntesten Orte auf dem Motorrad zu erreichen sowie die Tatsache, daß das Motorrad im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln billig war, verhalf dem Fahrzeug zu einem beständigen Freundeskreis. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es zu einem Fortbewegungsmittel, das sich auch Leute leisten konnten, denen ein Auto zu teuer war. Ende der 60er Jahre schien das Auto dann das Motorrad verdrängt zu haben, doch das Motorradfahren verlor nie völlig seinen Reiz. Denn besonders Jugendliche entdeckten in dieser Zeit das Motorrad als Mittel für Verkehr, Sport und Freizeit wieder.

Allerdings wurden MotorradfahrerInnen schnell zu einer gesellschaftlichen Randgruppe erklärt, die mit gewalttätigen Schlägern und hirnlosen Rasern in einen Topf geworfen wurden.

Wir sind anders!

Solidarität ist unser Motto

Der gesellschaftlichen Wirklichkeit kann niemand entfliehen. Wer meint, sich heraus halten zu können, stärkt nur diejenigen, die eine unmündige Masse brauchen, um ihre Geschäfte betreiben zu können.

Die Motorradclubs Kuhle Wampe treten entschlossen gegen solche Entwicklungen ein und setzen eigene Aktivitäten dagegen. Eine zentrale Aussage des Films "Kuhle Wampe" ist die Aufforderung zum gemeinsamen Handeln. Die Motorradclubs Kuhle Wampe suchen darum den Kontakt zu Menschen und anderen Organisationen. Denn nur durch eine breite Zusammenarbeit der fortschrittlichen Kräfte kann den rechten und unsozialen Tendenzen in unserer Gesellschaft Einhalt geboten und an einer menschlicheren Gesellschaftsform gearbeitet werden.

Kuhle Wampe ist für Menschen, die über den Tacho hinaussehen

Für den Verband der Motorradclubs Kuhle Wampe ist klar, daß MotorradfahrerInnen nicht nur als VerkehrsteilnehmerInnen benachteiligt, sondern auch als Menschen täglich durch eine zunehmend menschenfeindliche und naturverdrängende Politik beeinträchtigt werden. Daraus leitet sich unser politischer Anspruch ab. Unsere Rechte, ob auf der Straße oder im täglichen Leben, können nur durch gemeinsames und solidarisches Handeln durchgesetzt werden.

Die Kuhle Wampe versteht sich als unabhängiger Verband von Motorradclubs. In ihr kann jedeR unbesehen von Geschlecht, Religion, Nationalität und politischer Anschauung mitarbeiten, sofern sie nicht gegen unsere Grundsätze verstoßen.

Um unsere Interessen in der Öffentlichkeit wirkungsvoller vertreten zu können, haben sich die Kuhle Wampe-Clubs zu dem bundesweiten Verband der Motorradclubs Kuhle Wampe basisorientiert zusammengeschlossen. Mit der Kuhlen Wampe haben wir uns eine Möglichkeit geschaffen, unsere Freizeit selbstorganisiert, sinnvoll und spaßorientiert nach eigenen Vorstellungen gemeinsam zu verbringen.

Kuhle Wampe ist für Menschen, die ihre Interessen als MotorradfahrerInnen vertreten

MotorradfahrerInnen sind im Straßenverkehr benachteiligt. Beispiele dafür sind motorradspezifische Streckensperrungen und Tempolimits, gefährlicher Straßenbau, unzureichend verfügbare umweltschonende Technik, Ungleichbehandlung durch das Gesetz (z. B. TÜV für Neufahrzeuge und Stufenführerschein.) Diese Probleme betreffen alle MotorradfahrerInnen. Um sich erfolgreich wehren zu können, ist es notwendig, daß mensch nicht nur "Benzin redet". Wir entwickeln eigene Lösungsmöglichkeiten und Strategien, um diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Wir setzen sie im Verband um und bringen sie außerhalb unseres Verbandes in unterschiedlichen nationalen und internationalen Gremien wie z.B. in der FEMA (Federation of European Motorcyclists Association) ein.

Kuhle Wampe ist für Menschen, die ihre Freizeit sinnvoll gestalten.

Wir machen Aktionen zu politischen Themen, bieten Diskussionsforen und Kulturelles. Bei Sicherheitstrainings, Trial-, Geschicklichkeits- und Orientierungsfahrten, vor allem aber durch die Weitergabe von persönlichen Erfahrungen werden nicht nur AnfängerInnen mit dem Motorrad vertraut gemacht. Die Mitglieder der Kuhlen Wampe organisieren gemeinsame Fahrten, Treffen, Urlaub, Sport und Spaß für sich und andere.

Kuhle Wampe ist für Menschen, die sich Gedanken um ihre Umwelt machen

Uns ist bewußt, welcher Widerspruch zwischen Individualverkehr und einer vernünftigen, ökologisch orientierten Verhaltensweise besteht. Gerade deswegen darf die Faszination, die die Motorradtechnik auf uns ausübt, uns nicht die Augen verschließen vor den Problemen, die der motorisierte Individualverkehr verursacht. Die Modellpolitik unter der Devise "Immer schneller und immer stärker" ist nicht in unserem Sinne. Wir wollen Motorräder, die sicher, preisgerecht und so umweltschonend wie technisch möglich sind.

Die Umweltzerstörung hat bedrohliche Formen angenommen. Nicht nur die Großindustrie, sondern auch das Konsumverhalten der Gesellschaft verschwendet Rohstoffe und vergiftet Boden, Luft und Wasser immer mehr. Die Kuhle Wampe als Verband nutzt die Möglichkeiten, durch Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Gremien, u.a. auch der Motorrradindustrie, unsere Vorstellungen von dem umweltschonenden Motorrad einzubringen, zum Beispiel Reduzierung von unnötiger Schadstoff- und Geräuschemmission und ressourcenschonende Herstellung.

Kuhle Wampe ist gegen Atomenergie

Kuhle Wampe arbeitet mit anderen Gruppen für die Abschaffung der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie zusammen. Wir wehren uns gegen Atommülltransporte und unsichere Endlagerung radioaktiven Materials. Wir stellen uns gemeinsam mit anderen quer.

Nie wieder Krieg - Nie wieder Faschismus

Krieg und Faschismus beginnen in den Köpfen der Menschen. Wir verstehen uns als konsequente AntifaschistInnen und wollen mit dafür Sorge tragen, daß weder alte noch neue Nazis die Möglichkeit haben, ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten oder ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Unser Engagement richtet sich gegen rechte Politik und den alltäglichen Rassismus.

Kuhle Wampe ist für Frauen und Männer

Wir sehen es als eine unserer Aufgaben an, der Benachteiligung von Frauen entgegenzutreten. Für Frauen ist es nach wie vor schwierig, sich in der "Männerdomäne" Motorradfahren zu behaupten. Wir in der Kuhlen Wampe entwickeln unsere Sensibilität dafür weiter, wann und durch welche Verhaltensweisen Frauen eingeschränkt, diskriminiert und an den Rand gedrängt werden.

Für uns sind Frauen in verantwortlichen Positionen eine Selbstverständlichkeit.

Um nicht allein bei einem veränderten Bewußtsein stehenzubleiben, sind solidarisches Miteinander und konkrete Unterstützung gefordert. Hierfür gibt es keine Patentrezepte, wir berücksichtigen die individuellen Erfahrungen und Bedürfnisse, die jedeR mitbringt.

Kuhle Wampe - Solidarität ist unser Motto

Antifaschistische Arbeit

Wir wollen dem Treiben alter und neuer Nazis nicht einfach zusehen. Der MC Kuhle Wampe unterstützt antifaschistische Aktionen und Initiativen und wird auch in vielen Fällen selbst aktiv. Der braune Terror darf in unserer Welt keinen Platz mehr haben!





Umwelt

Motorradfahren und Umwelt - paßt das überhaupt zusammen? Wir wollen natürlich unseren Spaß am Mopedfahren haben, aber wir sind uns auch klar darüber, daß wir unsere Umwelt darüber nicht einfach vergessen können. Wir machen zum Beispiel Aktionen wie Lärmmessungen und fordern von der Industrie mehr Aktivität in Sachen Umwelttechnik ein. Und wer mal mit dem Fahrrad zum Clubabend kommt, wird bestimmt nicht schief angeguckt!

Anti-Atom            

Kuhle Wampe fordert die Stillegung aller Atomanlagen - weltweit und sofort. Weitere aktuelle Informationen zu Aktivitäten der Castor AG des Verbandes der Motorradclubs Kuhle Wampe findest Du unter http://castor.kuhle-wampe.de/.

Wer waren Sacco und Vanzetti?

Der Text basiert auf einem Vortrag, der während einer gutbesuchten Veranstaltung im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main, 1992 anläßlich des 65. Jahrestages der Hinrichtung von Sacco und Vancetti gehalten wurde. Dabei wurde auch aus Briefen von Sacco und Vanzetti, die sie während ihrer Inhaftierungszeit geschrieben hatten, vorgelesen.


Mord und Todesstrafe sind nicht Gegensätze, die einander aufheben, sondern Ebenbilder, die ihre Art fortpflanzen.

George Bernard Shaw, anglo-irischer Schriftsteller (1856-1950)


Nicola Sacco (geb. 1891 in Torremaggiore/Foggia) und Bartholomeo Vanzetti (geb. 1888 in Villa Faletto/Cuneo) wurden in der Nacht vom 23.8. auf den 24.8.1927 im Staatsgefängnis von Charleston, Massachusetts auf den elektrischen Stuhl hingerichtet.

Sacco war Arbeiter in einer Schuhfabrik und Vanzetti, gelernter Konditor, verkaufte als ungelernter Arbeiter zur Zeit seiner Verhaftung Fische. Sie waren 1908 mit großen Hoffnungen aus Italien in die USA eingewandert, da sie dort die Chance für ein besseres Leben sahen. Dort lernten sie sich innerhalb der ArbeiterInnenbewegung kennen, und zwar in den Gruppen um Galleani und Tresca, die anarchistische Zeitungen herausgaben. Schon damals hatten sie eine freiheitlich-sozialistische Einstellung. Um ihrer Einberufung zum Wehrdienst zu entgehen, fuhren sie zusammen mit anderen Genossen nach Mexiko und wurden Freunde.

Am 5.5.1920 wurden Sacco und Vancetti in New York verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen am 15.4.1920 in South Braintree, Massachusetts einen Raubmord an dem Lohnbuchhalter Palmenter und dem Wächter Berardelli begangen zu haben. Aufgrund ihres öffentlichen Engagement innerhalb der ArbeiterInnenbewegung, ihres Kampfes um allgemeinbildende Schulen und das Recht auf Bildung sowie ihrer anarchistischen Einstellung wollten die staatlichen Institutionen eine Verurteilung zum Tode um jeden Preis.

Obwohl Sacco und Vanzetti Alibis für die fragliche Zeit hatten, wurden Entlastungszeugen nicht vernommen, Beweismittel zurückgehalten und eine parteiisches Geschworenengericht auf den Fall angesetzt. Richter Webster Thayer ließ es sich nicht nehmen in aller Öffentlichkeit zu verlauten: "Denen werden wir's schon zeigen, und die Kerle aufhängen."

So kam es, daß Sacco und Vanzetti am 31.3.1921 in Dedham zum Tode verurteilt wurden. Das Justizverbrechen steuerte dem Mord entgegen. Doch das Todesurteil löste in der ArbeiterInnenschaft Amerikas, und nicht nur dort, einen Sturm der Entrüstung aus, so daß sich ein langjähriger Kampf mit einer weltweiten Solidaritätskampagne um die Aufhebung des Urteils entspann.

Der Portugiese Celestino Madeiros, der wegen Raubmordes zu Tode verurteilt war, ließ am 18.11.1925 Sacco einen Zettel im Gefängnis zukommen mit den Worten: "Ich bekenne hiermit, an dem Verbrechen in South Braintree beteiligt gewesen zu sein, Sacco und Vanzetti sind dagegen nicht dabei gewesen."
Dies wurde zudem noch von einem Komplizen belegt. Der Raubmord war das Werk der Morelli-Bande gewesen. Doch selbst diese Aussagen beeindruckte die amerikanische Justiz nicht.

Die Revisonseingaben wurden abgewiesen. Der Gouverneur von Masachusetts, Fuller, lehnte alle Gesuche ab.

Als ein Hinrichtungstermin 1927 am 10.8.1927 bekannt wurde, kam es wegen zweier einfacher Arbeiter zu einer bis dahin noch nie gesehenen Protestwelle rings um den Erdball. Es kam zu vielen Anschlägen, gewaltigen Demonstrationen und wilden Streiks bis hin zu Generalstreiks in Südamerika. Dabei waren durch harte, staatliche Unterdrückungsmaßnahmen etliche Menschenleben zu beklagen. In Genf stürmte eine empörte Masse das Völkerbundgebäude und schlug den berühmten Glassaal in Trümmer.

Selbst gesetzgebende Körperschaften forderten Gouverneur Fuller auf, die beiden Anarchisten freizugeben.
Alle US-Botschaften wurden streng bewacht. In Tokio zog sich der US-Botschafter auf seinen Landsitz zurück. In vielen Städten Deutschland protestierten ArbeiterInnen. In Berlin gab es eine Riesendemonstration. Selbst die amerikanische Presse berichtete nun von "Unstimmigkeiten" während des Prozesses.

Doch der amerikanische Staat demonstrierte Härte. Letztendlich wurde das Urteil in der Nacht vom 23. auf den 24.8.1927 vollstreckt. Zusammen mit Sacco und Vancetti wurde Madeiros hingerichtet.

Sacco und Vanzettis Vermächtnis aus der Todeszelle:
"Macht aus unseren Leiden, aus unserem Schmerz, unseren Fehlern, unseren Niederlagen und aus unseren Leidenschaften für die künftigen Schlachten und die große Emanzipation ein kostbares Gut."

Im Juli 1977 gab der Gouverneur von Massachusetts eine Ehrenerklärung für Sacco und Vancetti und deren Familien ab.


Anhang

Die Todesstrafe in den USA (Stand Juli 1992)

Insgesamt sind in den USA seit 1976/77, als viele Bundesstaaten die gegenwärtige Gesetze bezüglich der Todesstrafe verabschiedeten, 179 (Stand: Ende Juli 92) Hinrichtungen erfolgt. Seit 1982 wurden in Texas 50 Gefangene mittels Giftinjektion hingerichtet, doppelt soviel wie in jedem anderen US-Staat. Allein 1992 wurden 8 der insgesamt 19  in den USA erfolgten Hinrichtungen in Texas vollstreckt. Die Berufungsmöglichkeiten sollen noch eingeschränkt werden.

Im Frühjahr 1992 saßen in den USA 2588 Personen in den Todeszellen (soviele wie noch nie), darunter 1316 Weiße, 1008 Schwarze, 185 Hispanos, 47 Indianer, 19 Asiaten, die restlichen 13 sind unbekannter Nationalität oder Abstammung. 41 Frauen warten auf ihre Hinrichtung.

1987 räumte sogar der Oberste Gerichtshof ein, daß Rassendiskriminierung und sonstige Ungleichheiten bei einem Todesstrafenverfahren ein offenbar "unvermeidbarer Teil des Strafprozesses" seien.

Bill Clinton (gab während seiner 10jährigen Amtszeit als Gouverneur von Arkansas keinem einzigen Gnadengesuch statt) und Georg Bush sind beides Befürworter der Todesstrafe. Bis zu 80% der US-BürgerInnen befürworten die Todesstrafe. Wird differenziert gefragt sinkt die Zustimmung.

Nur sechs Länder (USA, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Bangladesch) überhaupt erlauben die Hinrichtung Minderjähriger. Auch Geisteskranke werden in den USA hingerichtet.

In den Garantien zum Schutz der Rechte von Personen, denen die Todesstrafe droht (Resolution 1984/50 des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nation) heißt es in Absatz 4:
"Die Todesstrafe darf nur verhängt werden, wenn die Schuld des Angeklagten eindeutig und überzeugend bewiesen und keine andere Erklärung der Fakten möglich ist."

Im Fall Coleman, der am 20. Mai 1982 im US-Bundesstaat Virginia auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden ist, weist alles darauf hin, daß gegen diesen Grundsatz verstoßen worden ist.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen gegen die Todesstrafe, weil sie eine Verletzung des Rechts auf Leben und des Rechts, keiner grausamen, unmenschlichen oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen zu werden, darstellt. Diese Rechte sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschrechte und in anderen internationalen Übereinkommen verankert.

Die Befürworter der Todesstrafe behaupten, sie schrecke andere von Verbrechen ab. Statistisch läßt sich das nicht erhärten. Im Gegenteil: Länder mit Todesstrafe haben meist eine hohe Rate der sog. Schwerstkriminalität. KriminologInnen behaupten sogar, daß Hinrichtungen Gewaltverbrechen fördern, weil sie zeigen, daß die Gesellschaft Töten billigt.

TodesstrafengegnerInnen in den USA haben dafür einen griffigen Slogan geschaffen. Es heißt:
Warum töten wir Menschen, die Menschen getötet haben? Um zu zeigen, daß es Unrecht ist, Menschen zu töten?

Fragen eines amerikanischen Kindes

Du, Papa, Warum mußten wir den Irak angreifen?
Weil sie Massenvernichtungswaffen hatten.

Aber die Inspektoren haben keine Massenvernichtungswaffen gefunden.
Weil die Iraker sie versteckt haben.

Und deshalb haben wir den Irak erobert?
Ja. Eroberungen funktionieren immer besser als Inspektionen.

Aber nachdem wir ihn erobert hatten, haben wir immer noch keine Massenvernichtungswaffen gefunden, oder?
Weil die Waffen so gut versteckt sind. Mach Dir keine Sorgen, wir werden etwas finden, vermutlich kurz vor den Präsidentschaftswahlen.

Warum wollte der Irak die ganzen Massenvernichtungswaffen haben?
Um sie im Krieg zu benutzen, Dummerchen.

Ich bin verwirrt. Wenn sie all diese Waffen hatten, die sie im Krieg benutzen wollten, warum haben sie die Waffen nicht benutzt, als wir mit ihnen Krieg hatten?
Nun, offensichtlich wollten sie nicht, daß irgendjemand weiß, daß sie diese Waffen haben und so entschlossen sie sich, lieber zu tausenden zu sterben als sich zu verteidigen.

Das macht keinen Sinn. Warum sollten sie sich entschließen zu sterben wenn sie doch all diese großen Waffen hatten, mit denen sie sich hätten wehren können?
Es ist eine andere Kultur. Es muß keinen Sinn machen.

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich glaube nicht, daß sie irgendwelche von den Waffen hatten, von denen unsere Regierung sagte, daß sie sie hatten.
Naja, weißt Du, es ist nicht wichtig, ob sie die Waffen hatten. Wir hatten einen anderen guten Grund, sie anzugreifen.

Und was war das?
Selbst wenn der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte, war Saddam Hussein ein böser Diktator, was auch ein guter Grund ist, ein anderes Land anzugreifen.

Warum? Was tut ein böser Diktator, daß es richtig ist, sein Land anzugreifen?
Naja, unter anderem hat er sein eigenes Volk gefoltert.

So wie sie es in China machen?
Vergleich China nicht mit dem Irak. China ist ein guter wirtschaftlicher Konkurrent, wo Millionen von Leuten zu Sklavenlöhnen in Sweatshops arbeiten, um US-Firmen reicher zu machen.

Wenn also ein Land seine Leute zum Gewinn amerikanischer Firmen ausbeutet ist es ein gutes Land, auch wenn es sein Volk foltert?
Richtig.

Warum wurden die Leute im Irak gefoltert?
Größtenteils für politische Verbrechen, wie die Regierung zu kritisieren. Leute, die im Irak die Regierung kritisiert haben, wurden ins Gefängnis gesteckt und gefoltert.

Ist das nicht genau das, was in China passiert?
Ich hab's Dir doch gesagt, China ist etwas anderes.

Was ist der Unterschied zwischen China und dem Irak?
Naja, unter anderem wurde der Irak von der Baath-Partei beherrscht, wogegen China kommunistisch ist.

Hast Du mir nicht mal gesagt, daß Kommunisten böse sind?
Nein, nur kubanische Kommunisten sind böse.

Wie sind die kubanischen Kommunisten böse?
Naja, unter anderem werden Leute, die die kubanische Regierung kritisieren, ins Gefängnis gesteckt und gefoltert.

Wie im Irak?
Genau.

Und wie auch in China?
Wie ich schon sagte: China ist ein guter wirtschaftlicher Konkurrent, Kuba andererseits ist das nicht.

Wie kommt es, daß Kuba kein guter wirtschaftlicher Konkurrent ist?
Naja, weißt Du, damals in den 60ern erließ unsere Regierung einige Gesetze, die es für Amerikaner illegal machten, mit Kuba Handel zu treiben oder Geschäfte zu machen bis sie keine Kommunisten mehr sind und Kapitalisten wie wir sind.

Aber wenn wir diese Gesetze loswerden würden, Handel mit Kuba treiben würden und Geschäfte mit ihnen machen würden, würde das den Kubanern nicht helfen, Kapitalisten zu werden?
Sei kein Besserwisser.

Ich dachte nicht, daß ich einer bin.
Naja, egal, sie haben auch keine Religionsfreiheit auf Kuba.

So wie in China mit der Falun-Gong-Bewegung?
Ich hab Dir schon mal gesagt: hör auf, schlecht über China zu reden. Auf jeden Fall ist Saddam Hussein durch einen Militärputsch an die Macht gekommen, er ist also sowieso gar kein rechtmäßiger Führer.

Was ist ein Militärputsch?
Das ist, wenn ein Militärgeneral die Regierungsgewalt eines Landes mit Gewalt übernimmt, statt mit Wahlen, wie wir es in den USA machen.

Ist nicht der Führer von Pakistan durch einen Militärputsch an die Macht gekommen?
Du meinst General Pervez Musharraf? Äh, ja, ist er, aber Pakistan ist unser Freund.

Warum ist Pakistan unser Freund wenn sein Führer nicht rechtmäßig ist?
Ich habe nie gesagt, daß Pervez Musharraf nicht rechtmäßig ist.

Hast Du nicht gesagt, daß ein Militärgeneral, der an die Macht kommt, indem er die rechtmäßige Regierung eines Landes mit Gewalt umstößt, ein nicht rechtmäßiger Führer ist?
Nur Saddam Hussein. Pervez Musharraf ist unser Freund weil er uns geholfen hat, Afghanistan anzugreifen.

Warum haben wir Afghanistan angegriffen?
Wegen dem, was sie uns am 11. September angetan haben.

Was hat Afghanistan uns am 11. September angetan?
Nun, am 11. September haben 19 Männer, fünfzehn von ihnen aus Saudi-Arabien, vier unserer Flugzeuge entführt uns sie in Gebäude in New York und Washington geflogen und dabei 4.000 Menschen getötet.

Und was hat Afghanistan dabei gemacht?
In Afghanistan wurden diese bösen Menschen trainiert, unter der unterdrückenden Macht der Taliban.

Sind die Taliban nicht diese bösen radikalen Islamisten, die Menschen Hände und Köpfe abgehackt haben?
Ja, genau die. Nicht nur, daß sie Menschen Hände und Köpfe abgehackt haben, sie haben auch Frauen unterdrückt.

Hat die Bush-Regierung den Taliban im Mai 2001 nicht 43 Millionen US-Dollar gegeben?
Ja, aber das war eine Belohnung, weil sie so erfolgreich gegen die Drogen vorgegangen waren.

Gegen die Drogen vorgegangen?
Ja, die Taliban waren sehr hilfreich, die Opiumproduktion zu stoppen.

Wie haben sie das so gut hinbekommen?
Ganz einfach. Wenn Leute dabei erwischt wurden, Opium anzubauen, haben die Taliban ihnen ihre Hände und ihren Kopf abgehackt.

Wenn sie Taliban Menschen die Hände und den Kopf abgehackt haben, weil sie Pflanzen angebaut haben war das also in Ordnung, aber nicht, wenn sie den Leuten aus anderen Gründen die Hände und den Kopf abgehackt haben?
Genau. Es ist für uns in Ordnung, wenn radikale islamistische Fundamentalisten Leuten die Hände abhacken weil sie Pflanzen angebaut haben, aber es ist böse, wenn sie den Leuten die Hände abhacken, weil sie Brot gestohlen haben.

Hacken sie den Leuten in Saudi-Arabien nicht auch die Hände und die Köpfe ab?
Das ist was anderes. Afghanistan wurde von einem tyrannischen Patriarchat regiert, das Frauen unterdrückt hat und sie gezwungen hat, in der Öffentlichkeit Burkas zu tragen, mit Steinigung als Strafe für die Frauen, falls sie nicht gehorchten.

Müssen saudische Frauen in der Öffentlichkeit nicht auch Burkas tragen?
Nein, saudische Frauen tragen nur eine tradionelle islamische Körperbedeckung.

Was ist der Unterschied?
Die traditionelle islamische Körperbedeckung, wie sie von saudischen Frauen getragen wird, ist ein züchtiges und doch elegantes Kleidungsstück, das den ganzen weiblichen Körper außer den Augen und den Fingern bedeckt. Die Burka, auf der anderen Seite, ist ein böses Werkzeug der patriarchalen Unterdrückung, das den ganzen weiblichen Körper außer den Augen und den Fingern bedeckt.

Das hört sich wie die gleiche Sache mit verschiedenen Namen an.
Naja, Du kannst Saudi-Arabien nicht mit Afghanistan vergleichen. Die Saudis sind unsere Freunde.

Aber, ich dachte, 15 der 19 Flugzeugentführer vom 11. September kamen aus Saudi-Arabien.
Ja, aber sie haben in Afghanistan trainiert.

Wer hat sie trainiert?
Ein sehr böser Mann mit dem Namen Osama bin Laden.

War er aus Afghanistan?
Äh, nein, er kommt auch aus Saudi-Arabien. Aber er ist ein böser, ein sehr böser Mann.

Ich glaube, ich erinnere mich, daß er mal unser Freund war.
Nur als wir ihm und seinen Mujahedeen in den 80ern geholfen haben, die sowjetische Invasion in Afghanistan zurückzuschlagen.

Wer waren die Sowjets? War das das böse kommunistische Imperium, von dem Ronald Reagan gesprochen hat?
Es gibt keine Sowjets mehr. Die Sowjetunion hat sich 1990 oder so aufgelöst und jetzt haben sie Wahlen und Kapitalismus wie wir. Wir nennen sie jetzt Russen.

Die Sowjets, ich meine die Russen, sind jetzt also unsere Freunde?
Naja, nicht wirklich. Weißt Du, sie waren viele Jahre unsere Freunde, nachdem sie aufgehört hatten, Sowjets zu sein, aber dann entschieden sie sich, unseren Angriff auf den Irak nicht zu unterstützen und jetzt sind wir wütend auf sie. Wir sind auch wütend auf die Franzosen und die Deutschen weil sie uns auch nicht geholfen haben.

Die Franzosen und die Deutschen sind also auch böse?
Nicht wirklich böse, aber schlecht genug, daß wir "French Fries" und "French Toast" in "Freedom Fries" und "Freedom Toast" umbenennen mußten.

Benennen wir immer Lebensmittel um, wenn ein Land nicht tut, was wir von ihm wollen?
Nein, das machen wir nur bei unseren Freunden. Unsere Feinde greifen wir an.

Aber war der Irak nicht in den 80ern unser Freund?
Naja, schon, eine Zeit lang.

War Saddam Hussein damals schon Führer des Iraks?
Ja, aber zu der Zeit hat er gegen den Iran gekämpft, was ihn zeitweise zu unserem Freund gemacht hat.

Wieso hat ihn das zu unserem Freund gemacht?
Weil zu der Zeit der Iran unser Feind war.

Hat er zu der Zeit nicht die Kurden vergast?
Ja, aber da er zu der Zeit gegen den Iran gekämpft hat, haben wir weggeschaut, um ihm zu zeigen, daß wir sein Freund sind.

Also wird jeder, der gegen unsere Feinde kämpft, automatisch unser Freund?
Größtenteils, ja.

Und jeder, der gegen unsere Freunde kämpft wird automatisch unser Feind?
Manchmal stimmt das auch. Wenn amerikanische Firmen aber daran verdienen können, beide Seiten mit Waffen zu beliefern, umso besser.

Warum?
Weil Krieg gut für die Wirtschaft ist, was bedeutet, daß Krieg gut für Amerika ist. Und da Gott auf der Seite Amerikas ist, ist jeder Kriegsgegner ein unamerikanischer Kommunist. Verstehst Du jetzt, warum wir den Irak angegriffen haben?

Ich glaube. Wir haben sie angegriffen, weil Gott wollte, das wir es tun, richtig?
Ja.

Aber woher wußten wir, daß Gott will, daß wir den Irak angreifen?
Nun, weißt Du, Gott spricht direkt zu George W. Bush und sagt ihm, was er tun soll.

Im Endeffekt sagst Du also, daß wir den Irak angegriffen haben, weil George W. Bush Stimmen hört?
Ja! Endlich hast Du verstanden, wie die Welt funktioniert. Jetzt mach Deine Augen zu, mach's Dir bequem und schlaf. Gute Nacht.

Gute Nacht, Papa.

Indianische Weisheit:

"Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen,

werdet Ihr feststellen,

daß man Geld nicht essen kann!"

Das Gelassenheitsgebet:

Herr,

gib mir die Gelassenheit,

die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.

Gib mir den Mut,

die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit,

das eine vom anderen zu unterscheiden.

Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegenzustellen?

Es sind die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!

Sprach der alte weise Mann zu den Steinen:

"He, werdet endlich menschlicher!"

Sagten die Steine:

"Wir sind noch nicht hart genung!?

Unser Lied gegen Rassismus

Alzen, 09. November 2000

(Die Musik von "Wir sind die Moorsoldaten", der Text von UNS!)

1. Strophe

Wohin auch das Auge blicket, Fremdenfeindlichkeit man sieht.

Wir sind felsenfest der Meinung, es ist Zeit das was geschieht.

Ref.: (2x)

Wir wollen was dagegen tun,

wir schauen nicht mehr länger zu, mach mit!

2. Strophe

Inder, Polen, Italiener, Russen, Türken sind uns fremd.

Das liegt aber unsrer Meinung, nur dran daß man sie nicht kennt.

Ref.: (2x)

Wir wollen was dagegen tun,

wir schauen nicht mehr länger zu, mach mit!

3. Strophe

Jeder sollte jeden achten, ganz egal woher er ist.

Laßt ihn ruhig an Buddha glauben, denn nicht jeder ist ein Christ.

Ref.: (2x)

Wir sind für Toleranz und mehr,

für Akzeptanz ja bitte sehr, mach mit!

4. Strophe

Schwule, Lesben, Tranvestiten, hetero, homo oder bi.

Liebe brauchen alle Menschen, manche die verstehen`s nie.

Ref.: (2x)

Wir sind für Toleranz und mehr,

für Akzeptanz ja bitte sehr, mach mit!

5. Strophe

Alle Menschen auf der Erde, sind in andren Ländern fremd.

Wir sollten offen auf sie zugehn, vorurteilslos und ungehemmt.

Ref.: (2x)

Wir sind für Toleranz und mehr,

für Akzeptanz ja bitte sehr, mach mit!

© by Julia, Julian & Schorsch

Ich fragte den Schaffner nach der Uhrzeit!

Der sah auf seine Armbanduhr und sagte:

"Entschuldigen Sie, ich weiß, -

wir haben 2 Minuten Verspätung!"

Schlagartig wird mir klar, in welchem Land ich lebe!!!

Richtiges Verhalten bei einer Polizeikontrolle

Wenn ein Polizist mit dir spricht, stell dich taub.

Frag ob du seine Waffe sehen oder anfassen darfst.

Wenn er nein sagt, oder warum fragt, sag ihm, dass du nur sehen wolltest ob deine größer ist.

Gib ihm die Hand und fasse ihn oft an.

Frage ihn, wo er die coole Verkleidung her hat.

Frage ihn, ob du dir sein Kostüm ausleihen kannst.

Frage nach seinem Namen und sprich ihn nur mit dem Vornamen an.

Tu so als ob du schwul wärst und frage nach einem Date.

Fang an zu weinen, wenn er nein sagt.

Wenn er ja sagt, melde es seinen Vorgesetzten.

Wenn er dich durchsuchen will und dir sagt, dass du die Beine spreizen sollst, erkläre ihm, dass du nicht an ihm interessiert bist.

Sage ihm, dass du auf Männer in Uniformen stehst.

Versuche ihn mit Süßigkeiten oder Glasperlen zu bestechen.

Versuche zeitgleich mit ihm Führerschein und Fahrzeugpapiere zu sagen.

Wenn du was unterzeichnen musst, popel vorher in deiner Nase und lass dir von ihm einen Stift geben.

Kau auf dem Stift herum.

Steck dir den Stift ins Ohr.

Falls er dir einen Kugelschreiber gibt, bau ihn unauffällig auseinander und klau die Feder.

Frage ihn ob er eine Tochter hat. Wenn er ja sagt, erzähle ihm, dass du seinen Nachnamen irgendwoher kanntest.

Lass dir alles zwei mal erklären.

Sprich ihm alles leise nach was er sagt.

Rede mit dir selbst.

Versuche ihm dein Auto zu verkaufen.

Frage ob du sein Auto kaufen kannst.

Wenn er dich mit zur Wache nimmt frage ob du im Auto vorne sitzen darfst.

Wenn du darfst, spiel mit der Sirene.

Falls du hinten sitzen musst, streichel seinen Hinterkopf durch das Gitter.

Vergewissere dich, dass er angeschnallt ist.

Hole dir eine Bierdose aus dem Handschuhfach und öffne sie noch bevor er zur Tür kommt.

Frage ihn ob er dein Bier halten könne, bis du deinen Führerschein gefunden hast?

Sage ihm er solle nicht den Kofferraum überprüfen.

Entschuldige dich dafür, das du nicht gesehen hast das eine Kamera in dem Radarkasten war.

Frage ihn ob er nicht einer von den Village People ist und wo seine Kollegen sind?

Weise ihn darauf hin, dass du sein Gehalt zahlst!

Frag ihn, ob er schon einmal einen Menschen erschossen hat.

Antwortet er mit ja, frage ihn, ob dies auch schon im Dienst vorgekommen ist.

Verabschiede dich immer mit einem Lächeln und einem leicht süffisantem Unterton mit: "Grüß deine Frau und meine Kinder!"


Die wichtigen Dinge im Leben

Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht begann, nahm er ein großes leeres Mayonnaiseglas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll sei.

Sie stimmten ihm zu.

Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen und schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine. Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Glas jetzt voll sei.

Sie stimmten wieder zu und lachten.

Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus.

"Nun", sagte der Professor zu seinen Studenten, "Ich möchte, dass Sie erkennen, dass dieses Glas wie Ihr Leben ist! Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben: Ihre Familie, Ihr Partner, Ihre Gesundheit, Ihre Kinder. Dinge die, wenn alles andere wegfiele und nur Sie übrig blieben, Ihr Leben immer noch erfüllen würden. Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge, wie z. B. Ihre Arbeit, Ihre Wohnung, Ihr Haus oder Ihr Auto. Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben. Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die Kieselsteine oder die großen Steine.

So ist es auch in Ihrem Leben: Wenn Sie all Ihre Energie für die kleinen Dinge in Ihrem Leben aufwenden, haben Sie für die Großen keine mehr. Achten Sie daher auf die wichtigen Dinge, nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder Ihren Partner, achten Sie auf Ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit geben für Arbeit, Haushalt, Partys usw.. Achten Sie zuerst auf die großen Steine, sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand."

Nach dem Unterricht nahm einer der Studenten das Glas mit den großen Steinen, den Kieseln und dem Sand, bei dem mittlerweile sogar der Professor zustimmte, dass es voll war und schüttete ein Glas Bier hinein. Das Bier füllte den noch verbliebenen Raum im Glas aus. Dann war es wirklich voll.

Die Moral von der Geschichte:

Egal wie erfüllt Ihr Leben ist, es ist immer noch Platz für ein Bier.

Was ist Politik?

Der kleine Sohn geht zu seinem Vater und fragt ihn, ob er ihm erklären könne, was Politik sei.

Der Vater meint:

"Natürlich kann ich dir das erklären.

Nehmen wir mal unsere Familie. Ich bringe das Geld nach Hause. Also nennen wir mich Kapitalismus.

Deine Mutter verwaltet das Geld, also nennen wir sie die Regierung.

Wir beide kümmern uns fast ausschließlich um dein Wohl, also bist du das Volk.

Unser Dienstmädchen ist die Arbeiterklasse und dein kleiner Bruder, der noch in den Windel liegt, ist die Zukunft.

Hast du das verstanden?"

Der Sohn ist nicht ganz sicher und will erst mal darüber eine Nacht schlafen. In der Nacht erwacht er, weil sein kleiner Bruder in die Windeln gemacht hat und nun schreit. Er steht auf und klopft am Elternschlafzimmer, doch die Mutter liegt im Tiefschlaf und lässt sich nicht wecken. Also geht er zum Dienstmädchen und findet dort seinen Vater bei ihr im Bett. Doch auch auf sein mehrmaliges Klopfen hin lassen die beiden nicht stören. So geht er halt wieder ins Bett und schläft weiter. Am Morgen fragt ihn der Vater, ob er nun wisse, was Politik wäre und es mit seinen eigenen Worten erklären könne.

Der Sohn antwortet:

 "Ja, jetzt weiß ich es.

Der Kapitalismus mißbraucht die Arbeiterklasse während die Regierung schläft. Das Volk wird total ignoriert und die Zukunft ist voll Scheiße!"

Edelweißpiraten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Edelweißpiraten werden informelle Gruppen deutscher Jugendlicher mit unangepasstem, teilweise oppositionellem Verhalten im Dritten Reich bezeichnet. Nach Kriegsende dauerten in manchen Besatzungszonen die Aktivitäten der Gruppen bis etwa 1947 an.

Die Namensgebung entstammt einer Verballhornung durch Gestapo-Beamte um 1939: Das Edelweiß war eines unter vielen Kennzeichen der nach 1936 verbotenen Bündischen Jugend. Die Kittelbachpiratenwaren eine offiziell bis 1933 bestehende rechtsradikale Gruppe in Düsseldorf, die größtenteils in die Hitlerjugend (HJ) oder die SA abwanderten.

Die Vermengung der Begriffe Edelweißund Piratenwar daher anfänglich eine Provokation für Jugendliche mit oppositionellem Verhalten, speziell für solche mit Wurzeln in der Bündischen Jugend, in der linksgerichteten Naturfreundejugend oder im kommunistischen Rotfrontkämpferbund, wurde aber von jungen Gruppierungen gegen Ende des Krieges als Selbstbezeichnung gewählt.

Einige dieser Gruppen, wie die Edelweißgruppe um Gertrud Kühlem, deren Vater ein von den Nationalsozialisten verurteilter und ermordeter Kommunist war, oder die Gruppe Steinbrück um den KZ-Flüchtling Hans Steinbrück, beteiligten sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Andere bekannte Gruppen sind die Köln-Ehrenfelder Edelweißpiraten-Gruppe, deren Aktivitäten erst nach 1980 durch Jean Jülich ins öffentliche Bewusstsein gebracht wurden, und die Dortmunder Edelweißpiraten vom Brüggemannspark, über die auch erst 1980 der Schriftsteller Kurt Piehl publizierte.

Hintergrund

Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Hoffnungslosigkeit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg brachte für die Jugend Deutschlands massive Probleme mit sich. Während für wirtschaftlich schwächere soziale Schichten kaum Aussicht auf Bildung und Arbeit bestand, wurde von der Oberschicht eine Vision der "Goldenen Zwanziger" vorgeführt.

Der Ausweg bestand für viele, sich formellen Gruppen anzuschließen, die einerseits ein Programm zur Freizeitstrukturierung anboten und andererseits durch das Erleben von Gruppenzugehörigkeit die Entwicklung von Selbstdefinitionen zuließen. Jugendbünde aus der Tradition der Wandervögel der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg setzten den Schwerpunkt ihrer Aktionen in Wanderungen und Fahrten in das Randgebiet der großen Städte, wo in der Natur am Lagerfeuer mit Wandergitarre und Feldkocher jugendlicher Unabhängigkeitsdrang zelebriert wurde.

Gegen Ende der Weimarer Republik wurde die politische Einflussnahme auf alle Jugendgruppen stärker. Viele Parteien sahen das Heranbilden einer parteitreuen Jugend als essentiell an. So vielfältig die Parteienlandschaft der Republik war, so facettenreich war das Kaleidoskop der Jugendgruppen.

Neben den Gruppen, die direkt den Parteien unterstanden, den katholischen Gruppen und der den Naturfreunden unterstehenden Naturfreundejugend, gab es den breiten Bogen der Bündischen Jugend. Diese etwa 100.000 Jugendlichen, zusammengefasst in 1.200 Gruppen, spiegelten die ganze Bandbreite revolutionärer bis bürgerlicher Ideale der zu Ende gehenden Republik wieder. Gemeinsam hatten sie Wanderfahrten, formelle Hierarchie und elitäres Bewusstsein.

Damit standen die "bündischen" Merkmale in direkter Konkurrenz zur aufstrebenden Hitlerjugend unter der Führung des ehrgeizigen Baldur von Schirach. Für eine erfolgreiche Ausdehnung der HJ, die von 108.000 Mitgliedern im Jahr 1932 auf 2,3 Millionen im nächsten Jahr anwuchs, war aber auch deutlich, dass die HJ auf die Erfahrungen und die persönliche Beteiligung von Jugendführern der Bündischen Jugend angewiesen war.

Nachdem 1933 der Großdeutsche Bund, eine Zusammenfassung von etwa 70.000 Jugendlichen aus verschiedene Bündischen Gruppen, und 1936 alleGruppen der "Bündischen" verboten waren, setzte die Verfolgung der ehemaligen Mitglieder ein. Regelmäßige Streifen der HJ waren mit Verstärkung von SA und Gestapo zum Einschreiten legitimiert, wenn es einen Verdacht auf so genannte "bündische Umtriebe" gab. Bis 1938 wurden oft Integrationsangebote von den "Bündischen" wahrgenommen, da das Image des „jugendlichen Rebellentums“ (Frank Bajohr, in: Piraten, „Swings und Junge Garde. Jugendwiderstand im Nationalsozialismus“, siehe Literatur) der HJ noch anhaftete. Auch waren Freizeitangebot und Aufstiegsmöglichkeiten in der HJ durchaus attraktiv. Nach dieser Werbungsphase waren die für Jungvolk, BDM und Hitlerjugend nicht begeisterungsfähigen Jugendlichen die Hauptfeindbilder der HJ-Streifen. Jugendliche, die sich nach 1936 der Zwangsmitgliedschaft zur HJ entziehen wollten, wurden kriminalisiert. Darunter fanden sich ausgetretene oder ausgeschlossene ehemalige HJ-Mitglieder, Jugendbanden im Stile der "Wilden Cliquen" der Weimarer Republik, regionale Jugendbanden, illegal weitergepflegte Kontakte zu verbotenen Jugend- oder Naturfreundegruppen und letztendlich auch politisch motivierte Widerstandskämpfer.

Regionale Verbreitung und Wirkungskreis

Spätestens ab 1942 kann Köln als Zentrum der Edelweiß-Gruppen, wie die bevorzugte Selbstbezeichnung lautete, mit über 3.000 in Gestapo-Akten genannten Namen gelten. In Duisburg, Düsseldorf, Essen und Wuppertal stellte die Gestapo bei Razzien 739 vermeintliche Edelweißpiraten. Der DortmunderBrüggemannspark wurde spätestens 1943 zum Treffpunkt der lokalen Edelweiß-Gruppe.

Typisch für die Namensgebung scheint zu sein, dass die verfolgten Gruppen schnell die Etikettierung ihrer Verfolger annahmen. So wurden angeblich unangepassten Jugendlichen in Köln von 1933 bis 1941 von der HJ mit dem Spitznamen "Navajos" benannt, der von den Verfolgten übernommen wurde. So verstand ein Gefolgschaftsführer der Nachrichten-HJ 1936 unter Navajos:

"...solche Personen, die aus der HJ ausgeschlossen sind ... und solche wegen Vergehens gegen § 175. Jede jugendliche Person, die ein bunt kariertes Hemd, sehr kurze Hose, Stiefel mit übergeschlagenen Strümpfen trägt, wird von der HJ als "Navajo" angesehen." ( Alfons Kenkmann : "Navajos, Kittelbach-und Edelweißpiraten, Jugendliche Dissidenten im Dritten Reich")

Über das gesamte Reichsgebiet kann die Gegnerschaft zur HJ als verbindendes Element angesehen werden, stärker als die Nachfolgeschaft einer traditionellen verbotenen Jugendgruppe. Die Verhaltensweisen der Bündischen wurden zwar oft angenommen, ohne aber deren Ursprung zu kennen und ohne die typische hierarchische Organisation. Dabei suchten manche Gruppen nach handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den Streifen der HJ, wobei auch Straßenkämpfe aufgrund territorialer Ansprüche gegen andere Jugendbanden ausgetragen wurden. Andere Gruppen vermieden jeden Kontakt mit der HJ, insbesondere mit der assistierenden SA.

Äußere Merkmale der Edelweißpiraten

Das Abhalten von Wanderungen und Fahrten ins Umland der großen Städte und selten auch in andere Städte gehörte traditionell zu den freizeitstrukturierenden Aktivitäten der Jugendgruppen. Dabei wurden Lieder aus der Bündischen Jugend gesungen, manche von ihnen dichteten diese oder Lieder der verfeindeten HJ in ironischer Weise um. Teilweise enthielten diese Texte eine derbe regimekritische Aussage, ebenso entstanden neue Lieder, zum Teil auch mit politischem Inhalt.

Von den Einheitsuniformen der Hitlerjugend hoben sich die als Edelweißpiraten bezeichneten Jugendlichen durch einen eigenen Stil- oft Skihemden, Wanderschuhe, Halstuch und kurze Lederhosen - ab. Teilweise war ihr Erkennungszeichen ein Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag. Oft trug man auch Fantasiekluften, Totenkopfringe, mit Nägeln beschlagene Gürtel, Jungenschaftsjacken und benutzte die Kohte. Im Gegensatz zur HJ nahmen sie zum Teil auch Mädchen auf. Die HJ vermutete in der Mitgliedschaft eine erotisierende Lockvogelfunktion, die aber eher der Fantasie einiger HJ-Gruppenführer entsprang.

Verfolgung

Je mehr die Gestapo durch Anzeigen seitens der HJ miteinbezogen wurden, desto härter wurde die Verfolgung mit den Mitteln einer Diktatur. Verhaftungen, Verhöre, Folter und Einkerkerungen seitens der Gestapo waren die Folge. Von der Gestapo selbst wurde nahegelegt, dass der Streifendienst der HJ an sich zu einer Verschärfung der Situation geführt hatte. Am 1. Juni 1938 wurden neue Richtlinien für den HJ-Streifendienst erlassen, welche die HJ zum "Einschreiten" auf "offener Straße" und in "geschlossenen Räumen" ermächtigte.

Unmittelbar nach dem Verbot der Bündischen Jugend wurde der § 175 als Tatbestand missbraucht, um eine gerichtlichen Verurteilung zu erwirken. Dies rührte aus der historischen Rivalität zwischen HJ und den Bündischen Jugend, deren Mitgliedern pauschal Homosexualität unterstellt wurde.

Bald wurde von der NS-Gerichtsbarkeit der Tatbestand der "Bündischen Umtriebe" geschaffen, der auf breiterer Basis eine Verurteilung von Verdächtigen ermöglichte. Dennoch war auch die Definition der "Bündischen Umtriebe" vage und die Entscheidung lag bei den zuständigen Gerichten. Bis Kriegsbeginn führten verhältnismäßig wenige Anzeigen zu einer Verurteilung.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden speziell ab 1941 radikalere Verfolgungsmethoden angewandt. Razzien, Belauschung, Verleumdung, Aufforderung zum Verrat, Nötigung, Folter und Gefängnishaft wurden eingesetzt, um regimekritischen Gruppen zu begegnen. Im Dezember 1942 kam es im Raum Köln zu einer Verhaftungswelle durch die Gestapo, allem Anschein nach motiviert durch die im Sommer 1942 angelaufenen Flugblattaktionen einzelner Gruppen.

Der Tatbestand der Wehrkraftzersetzung, des Defätismus, der Schwächung der deutschen Volksgemeinschaft, des Widerstands gegen die Gestapo oder des Landes- und Hochverrates hatten drakonische Strafen von Inhaftierung in Konzentrationslagern bis zur Todesstrafe zur Folge. Die Versetzung zu einem Strafbataillon des Heeres oder der Kriegsmarine waren für unangepasste junge Männer ein vom NS-Regime bevorzugtes Mittel zur Ausübung ihrer totalitären Macht. Die Einsätze eines solchen Kommandos kamen einer Hinrichtung nahe.

Bruno Bachler, einer der überlebenden Edelweißpiraten, erzählt, wie er nach Verbüßung einer Haft im Konzentrationslager einer Strafkompanie an der Ostfront zugeteilt wurde, die zum Räumen von Minenfeldern benutzt wurde. Das geschah so, dass die Sträflinge Hand in Hand über ein Minenfeld marschieren mussten, wobei einige von ihnen das Leben verloren.

Die Anzahl der ermordeten Edelweißpiraten ist unbekannt. Die Dokumentation über Mitgliedschaft, Aktionen, Verhöre und Hinrichtungen liegt fast ausschließlich bei den Tätern des NS-Regimes. Die Jugendlichen führten auch aus Angst vor Verfolgung nicht Buch über ihre Aktivitäten. Viele der Gruppenmitglieder kannten sich nur mit dem Spitz- oder dem Vornamen, was wieder ein Schutz bei Folter-Verhören war. Die vielfältigen Methoden zur Ermordung von Regimegegnern erschwert ebenfalls die lückenlose Erfassung der Opfer. Es ist anzunehmen, dass nur eine Minderheit den Zweiten Weltkrieg überlebte.

Aktionen des Widerstandes

Die Ablehnung der Pflichtmitgliedschaft bei der Hitlerjugend ist durch den gelebten Widerstand gegen das herrschende Regime bereits eine Form des Jugendwiderstandes. Die Pflege von illegalen Kontakten und Aufrechterhaltung von Beziehungsnetzen, dadurch die Beanspruchung eines eigenen sozialen Raumes kann als Dissidenz und Nonkonformität gesehen werden. Angriffe auf Repräsentanten des Regimes, wozu auch HJ-Funktionäre gehören, stellen bereits eine Widerstandshandlung im engeren Sinn dar (nach Detlev Peukert).

Politisch motivierter Widerstand war insbesondere das Verstecken und Versorgen von geflohenen Kriegsgefangenen und Juden. Die Edelweißgruppe Steinbrück und die Edelweißgruppe um Gertrud Köhlem berichten von Flugblattaktionen. Der Inhalt der Flugblätter war im Vergleich zu den Schriften der Weißen Rose eher einsilbig und sehr kurz. Das lag einerseits in mangelnder theoretischer Kompetenz, andererseits in praktischen Überlegungen. Sollte ein Passant ein Flugblatt auf den Stufen des Kölner Domes oder im Hauptbahnhof aufheben, würde er sich aus Angst vor Entdeckung kaum die Zeit nehmen, einen längeren Text zu lesen. Ein Text der Edelweiß-Gruppe um Gertrud Kühlem lautete zu Beginn ihrer Flugblattaktionen im Sommer 1942 etwa:

Macht endlich Schluss mit der braunen Horde!

Wir kommen um in diesem Elend. Diese Welt ist nicht mehr unsere Welt. Wir müssen kämpfen für eine andere Welt, wir kommen um in diesem Elend.

Als „Scheißflugblatt“ wurden solche Texte bekannt und stellten eine besondere Provokation für die Gestapo dar:

So braun wie Scheiße, so braun ist Köln. Wacht endlich auf!

Mit Schulkreide wurden Parolen an Eisenbahnwaggons und Hauswände geschrieben. Dabei wurden Parolen der Wehrmacht umgedeutet. Eine solche Parole findet sich in die Mauer eingraviert in einer Gefängniszelle des Kölner EL-DE-Hauses, in dem Mitglieder von Edelweiß-Gruppen inhaftiert, verhört und gefoltert wurden:

Kinder müssen kommen in den Krieg

Räder müssen rollen für den Sieg

Köpfe müssen rollen nach dem Krieg

und direkt darunter:

Ihr könnt mich nicht, wenn ich nicht will!

Nach 1945

Jean Jülich, ein Mitglied der Kölner Edelweiß-Gruppe, wurde 1984 in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

Gedenktafel für Opfer des NS-Regimes

In Köln-Ehrenfeld erinnert seit dem 9. November 2003 eine Gedenktafel an die hingerichteten Edelweißpiraten. Die Tafel ist an den Bögen der Bahnunterführung in der Schönsteinstraße, Nähe Venloer Straße, angebracht - in der Nähe, in der heutigen Bartholomäus Schink-Straße, hat die Hinrichtung stattgefunden. Die Tafel war schon Jahre vorher fertig gestellt worden, aber auf Druck der CDU wieder abgenommen worden. Die CDU hat seit Kriegsende die Anerkennung der Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer zu verhindern versucht, teilweise mit Argumenten, die direkt aus Gestapo-Verhörprotokollen zitiert wurden.

Die Inschrift der Gedenktafel in der Schönsteinstraße lautet:

Hier wurden am 25.10.1944 elf vom NS-Regime zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Bürger Polens und der UdSSR und am 10.11.1944 dreizehn Deutsche – unter ihnen jugendliche Edelweißpiraten aus Ehrenfeld sowie andere Kämpfer gegen Krieg und Terror – ohne Gerichtsurteil öffentlich durch Gestapo und SS gehenkt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff Edelweißpiraten von einigen nationalsozialistisch geprägten Jugendlichen weiter verwendet, die in der sowjetischen Besatzungszone teilweise gewaltsamen und bewaffneten Widerstand gegen die Besatzer leisteten. Die Edelweißpiraten an Rhein und Ruhr existierten noch bis etwa 1947.

Fortsetzung der Kriminalisierung und das Vergessen der Edelweißpiraten nach 1945

Nach der Befreiung ging für viele Edelweißpiraten, vor allem für die aus dem Arbeiterkreisen, der Überlebenskampf weiter. Als Gruppen waren und blieben sie aufgelöst, einige behielten soweit wie möglich ihre Vorlieben bei, beispielsweise als Tramps zu reisen. Kaum geändert hatte sich allerdings die personelle Zusammensetzung der Ermittlungsbehörden, in denen oft ehemalige Gestapo-Beamte ihren Dienst versahen, und der Gerichte. Das Verhalten der Edelweißpiraten wurde auch von den amerikanischen Besatzungsbehörden nicht akzeptiert und führte in zahlreichen Fällen zu erneuten Verurteilungen und Haftstrafen.

Betroffene, die eine Entschädigung anstrengten, wurden von der Wiedergutmachungsbehörde mancherorts eingeschüchtert. Jean Jülich berichtet von solchen Versuchen seitens des damaligen Dezernenten des zuständigen Amtes. Dieser habe ihm angeblich offen zu verstehen gegeben, dass Edelweißpiraten für ihn „Krahde“, also Dreck und Pöbel seien, dessen Züchtigungen durch die Hitler-Jugend er für sinnvoll gehalten habe.

Seit den 1980er Jahren veröffentlichten einige Edelweißpiraten biografische Texte, die die Ermittlungsprotokolle der Gestapo und der Nachkriegszeit um einen für die historische Forschung wichtigen Blickwinkel ergänzten.

2005 wurden die Kölner Edelweißpiraten von offizieller Seite rehabilitiert:

"Die Verwaltungsbehörden behandelten uns zwar als Opfer eines Unrechtregimes, aber nicht als Angehörige des politischen Widerstandes. Auch die Bezirksregierung Köln, die damals für das Bundesentschädigungsgesetz zuständig war, stufte die Edelweiß-Mitglieder nicht als politisch Verfolgte ein. Erst am 16. Juni 2005 wurden wir im Plenarsaal des Kölner Regierungspräsidiums im Rahmen eines Festaktes als Widerstandskämpfer anerkannt." (Gertrud Koch, geborene Kühlem)

Die Aktionen der Edelweißpiraten wurden mittlerweile Gegenstand eines Theaterstückes und des Kinofilms Edelweißpiraten aus dem Jahr 2005. Seit Juni 2005 findet im Kölner Friedenspark ein jährliches Edelweißpiratenfestival statt.

Literatur

·Wilfried Breyvogel (Hrsg.): Piraten, Swings und Junge Garde. Jugendwiderstand im Nationalsozialismus,. Dietz, Bonn 1991, ISBN 3-8012-3039-2

Paulus Buscher:

Das Stigma „Edelweiß-Pirat“. Bublies, Koblenz, 1988, ISBN 3-926584-01-7

  • Alexander Goeb: Er war sechzehn, als man ihn hängte. Das kurze Leben des Widerstandskämpfers Bartholomäus Schink. Rowohlt, Reinbek 2001, ISBN 3-499-23026-7
  • Matthias von Hellfeld: Edelweißpiraten in Köln. Jugendrebellion gegen das 3. Reich, Pahl-Rugenstein, Köln 1983, ISBN 3-760-90787-3
  • Jean Jülich: Kohldampf, Knast un Kamelle. Ein Edelweißpirat erzählt sein Leben. KiWi, Köln 2003, ISBN 3-462035-40-1
  • Alfons Kenkmann: Wilde Jugend. Lebenswelt großstädtischer Jugendlicher zwischen Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Währungsreform. Klartext-Verlag, Essen 2002, ISBN 3-89861-086-1
  • Arno Klönne: Jugendliche Opposition im "Dritten Reich". Landeszentrale für politische Bildung Thüringen 1996 [1]
  • Gertrud Koch: Edelweiß. Meine Jugend als Widerstandskämpferin. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 3-499-62093-6
  • Detlev J. Peukert: Die Edelweißpiraten. Protestbewegung jugendlicher Arbeiter im "Dritten Reich"; eine Dokumentation. Bund-Verlag, Köln 1988, ISBN 3-7663-3106-X
  • Kurt Piehl: Geschichte eines Edelweißpiraten. Brandes & Apsel, Frankfurt/M. 1988
  • Christian Schott, Sven Steinacker: Wilde Gesellen am Wupperstrand, verfolgt von Schirachs Banditen. Jugendopposition und -widerstand in Wuppertal 1933-1945.Edition Wahler, ISBN 3-9808498-8-0
  • Fritz Theilen: Edelweißpiraten. Emons-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-89705-272-5Weblinks

·NS-Dokumentationszentrum Köln: Von Navajos und Edelweißpiraten

 

 

Edelweißpiraten Damals

 

Die Hitler-Jugend hat ihren Monopolanspruch auf die Erfassung der gesamten deutschen Jugend zu keiner Zeit vollständig durchsetzen können. Da sie obendrein den Erwartungen an ein attraktives Jugendleben nur begrenzt entsprach, hat sie die von ihr enttäuschten Jugendlichen durch die Verfolgung schrittweise zu oppositionellem Auftreten provoziert. Diese Aussage gilt vor allem für die im Rheinland und im Ruhrgebiet unter der Sammelbezeichnung Edelweiß-Piraten oder Cliquen erfassten Jungen und Mädchen. Diese Jugendlichen waren in der NS-Zeit aufgewachsen, hatten in der Regel große Teile ihrer Kindheit und Jugendzeit den NS-Jugendorganisationen angehört und sollten den Nachwuchs des nationalsozialistischen Deutschland bilden. Ausgerechnet die "Hoffnungsträger des neuen Deutschland" demonstrierten jedoch den Misserfolg der NS-Erziehung.

 

Für die Loslösungstendenzen gab es mannigfaltige Gründe: Die proletarischen Führertypen der "Kampfzeit" waren aus der Jugendarbeit entfernt worden. Statt dessen wurden Lehrlingen häufig Oberschüler "vor die Nase gesetzt", die mit ihnen nicht klar kamen. Seit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges verringerte die zunehmende Einschränkung der Fahrten ins Grüne und die damit einsetzende Langeweile des Gruppenalltags die Attraktivität der Staatsjugendorganisation. Auch trug die Unzufriedenheit mit den HJ-Führern, die als Nachrücker für die zur Front einberufenen Leitfiguren fungierten, zur Abwanderung von Jugendlichen bei, die Probleme mit der Arbeitsdisziplin hatten, schwer integrierbar waren oder aufgrund kleinerer Delikte ein Randdasein in den Gruppen führten. Hinzu kam, dass viele Väter als Soldaten im Krieg sowie Mütter an der "Heimatfront" waren und die Kinder weitgehend sich selbst überlassen blieben. Die vernachlässigten Jugendlichen schlossen sich daher oft und gerne den viel freieren und abenteuerlustigeren Jugendgruppen an, vor denen ihre HJ-Führer sie immer gewarnt hatten. Diese Ermahnungen ließen die Gruppen erst attraktiv werden, und die Verbote waren eher verlockend als abschreckend. "Eigentlich gibt es erst solche Piraten, nachdem in den HJ-Einheiten die Jugendlichen auf das Bestehen einer solchen Bewegung aufmerksam gemacht worden sind", äußerte ein Polizist, der damals mit dem Aufspüren der Cliquen befasst war.

Dass die Hitler-Jugend, NSDAP-Funktionäre, Polizei und Gerichte durch ihr Vorgehen die Jugendlichen nicht nur kriminalisierten, sondern sie indirekt zur Opposition motivierten und sogar zu ihrem - bei immer mehr Jugendlichen Anklang findenden - Namen Edelweiß-Piraten verhalfen, ist den Verfolgungsinstanzen vermutlich verborgen geblieben.

 

Vor allem die Anwesenheit von Mädchen in den Gruppen - für die HJ eine undenkbare Sache - steigerte deren Anziehungskraft. So war für die Stadt Essen beispielsweise festzustellen, dass ungefähr ein Viertel der Gruppenangehörigen Mädchen waren, bei einer Kölner Gruppe, die als Navajos betitelt wurde, soll es sogar die Hälfte gewesen sein. Über eine Edelweiß-Piratinnen-Gruppe wurde aus Velbert berichtet.

 

An die Stelle der NS-Jugendorganisationen mit ihren Hierarchien und Befehlsstrukturen traten in der NS-Zeit in den Großstädten stellenweise die Cliquen von miteinander befreundeten Jugendlichen. (...) Die sich außerhalb der Hitler-Jugend aufhaltenden Jungen wie Mädchen gerieten in das Beobachtungsfeld der Verfolgungsbehörden. (...)

 

Die Jugendlichen eigneten sich Lieder in Texten und Melodien an, indem sie sie in ihren Erfahrungszusammenhang übersetzten, mit ihren musikalischen Mitteln wiedergaben, sich textlich ergänzten, umformten oder neu dichteten. Sie entwickelten einen eigenen Stil, den Stil der informellen Gruppe mit Kluft, Treffs, Wanderfahrten.

 

Der HJ-Streifendienst führte während des Krieges einen eigenständigen Kampf gegen die in die Opposition gedrängten Cliquen. Die Auseinandersetzungen hätten eigentlich weitgehend den Charakter großstädtischer Auseinandersetzungen zwischen Jugendgruppen um bestimmte Reviere, Straßen und Plätze gehabt, wie es sie sowohl früher gab als auch noch heute gibt. Aber durch die Übergabe der vom Streifendienst gefangenen Jugendlichen an die Geheime Staatspolizei und NS-Justiz erhielten die Konflikte eine völlig andere Dimension, denn es ging nicht mehr um die "Verteidigung" ihres Territoriums: Die Hitler-Jugend agierte mit staatlicher Unterstützung und verließ damit das Areal jugendinterner Auseinandersetzungen. (...)

 

 

Die Entstehung des Begriffs Edelweiß-Piraten steht nicht definitiv fest. Es ist zu vermuten, dass er eine Schöpfung der Verfolgungsbehörden ist. Als Beleg für diese Annahme kann ein Satz aus dem vom Jugendführer des Deutschen Reiches herausgegebenen "streng vertraulichen" Lagebericht über "Kriminalität und Gefährdung der Jugend" gelten. Im Zusammenhang mit der Verhaftung von 20 Jugendlichen beiderlei Geschlechts unter dem Verdacht der verbotenen bündischen Betätigung im Oktober 1939 in Hattingen an der Ruhr heißt es dort: "Da einige Jungen Edelweißabzeichnen tragen, wurde diesen der Name "Edelweißpiraten" bzw. "Edelweißklub" und "Essener Stenze" gegeben. Über mögliche Beziehungen zwischen Edelweiß-Abzeichen und der Bezeichnung Essener Stenze - auf diese lokalhistorische Variante wird noch eingegangen - erfolgt in dieser Quelle keine Aufklärung. Es hat den Anschein, als ob die ursprüngliche Fremdzuschreibung von den verfolgten Jugendlichen als eine Art "Ehrenname" übernommen wurde.

 

Bei vielen der Edelweiß-Piraten genannten Jugendlichen handelte es sich um die Vertreter der nachwachsenden Generation der Arbeiterklasse, die bei ihrer Festnahme zum Beispiel Jungbergmann, Hilfsarbeiter und Maschinenschlosserlehrling als Berufsbezeichnung angaben. (...)

 

Das Wissen um die Existenz oppositioneller jugendlicher Subkulturen hatte zunächst den Untergang der nationalsozialistischen Herrschaft überdauert. Allerdings handelte es sich bei den 1945/46 aufgetauchten Hinweisen auf die Edelweiß-Piraten und andere Gruppen nicht nur um Erinnerungen an das "andere Deutschland", sondern auch um Diskriminierungen, Verwechslungen mit Jugendbanden und dem Werwolf - einer weitgehend in den Bereich der Legende zu verweisenden Sabotagetruppe der letzten Kriegstage - und andere Missverständnisse. (...)

 

Zur Erscheinungsform der Edelweiß-Piraten im rheinischen Industriegebiet hat es zu verschiedenen Zeiten Entsprechungen in unterschiedlichen regionalen Ausprägungen gegeben. So wurden außerhalb des rheinisch-westfälischen Raums Edelweiß-Piraten in Frankfurt am Main, Offenbach und Kassel bekannt. Während es der nonkonformistischen Jugend im Rheinland und in Westfalen nach den Recherchen von Alfons Kenkmann in der Regel nicht gelungen war, Zugang zu den konspirativen Kreisen der sozialistisch-kommunistischen Jugend zu bekommen, rekrutierten sich die von 1937 bis 1939 in Leipzig agierenden und von der Polizei unter dem Begriff Meuten zusammengefassten Gruppen aus den Kinder- und Jugendgruppen der Arbeiterbewegung. Wie bereits erwähnt, lehnten die betroffenen Jugendlichen ebenfalls den Nationalsozialismus ab und demonstrierten dies - von Meute zu Meute differenziert - durch ihre dem bündischen Milieu entlehnte Kleidung (Bundschuhe, weiße Kniestrümpfe, kurze Leder- oder lange Skihosen, karierte Hemden bzw. Blusen usw.) und ihr Verhalten. (...)

 

Während sich die bisher genannten Gruppen in der Hauptsache aus Arbeiterjugendlichen zusammengesetzt hatten, war die Swing-Jugend eine mit dem Krieg entstandene Erscheinung von anglophil orientierten bürgerlichen Jugendlichen. Es waren "schräge Vögel", die bei jedem Wetter einen niemals aufgespannten Regenschirm als Kultobjekt mit sich herumtrugen. "Swing-Heinis" oder "Hotter" nannten sie sich in Hamburg und "petite swings" bzw. "Zazous" im besetzten Paris. (...)

 

Über viele weitere jugendliche Gemeinschaften mit Bezeichnungen wie Mob, Blase, Bande, Platte und Gang oder Club der Unheimlichen liegen bisher keine Untersuchungen vor, auch nicht zu den im Roman Die Blechtrommel von Günter Grass geschilderten Stäuber-Banden in Danzig. Einer der Anführer definiert seine Gruppe dort so, wie es auch für die anderen Jugend-Cliquen zutreffen könnte: "Wir haben überhaupt nichts mit Parteien zu tun, wir kämpfen gegen unsere Eltern und alle übrigen Erwachsenen; ganz gleich, wofür oder wogegen sie sind."

 

Resümierend sind die Edelweiß-Piraten als eine großstädtische Erscheinungsform einer überwiegend als oppositionell anzusehenden Jugendsubkultur in den letzten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft anzusehen. Es gab vereinzelt als Edelweiß-Piraten bezeichnete jugendliche Widerstandskämpfer, von einer Widerstandsbewegung kann aber nach den vorliegenden Veröffentlichungen nicht gesprochen werden. (...)

 

Festzuhalten ist auch, dass die "Grenzen zwischen jugendkulturellem Gestus und kleinkriminellen Handlungen fließend" waren. Die Stigmatisierung als jugendliche Kriminelle hat bis heute zur Folge, dass viele Edelweiß-Piraten lieber in Schweigen verharren, als ihre Erlebnisse öffentlich werden zu lassen. (...)

 

Mit dem historischen Phänomen Edelweiß-Piraten ist das Scheitern der nationalsozialistischen Sozialisation bei einem Teil der deutschen Jugend nachgewiesen, und es ist Michael Zimmermann zuzustimmen, wenn er sagt: "Der Nationalsozialismus entließ seine Kinder - in die Opposition." Angesichts des Sachstandes wäre es aber falsch, die Edelweiß-Piraten und die ihnen verwandten Ausprägungen der oppositionellen Jugendsubkultur insgesamt dem jugendlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zuzurechnen.

Die Publikationen über die subkulturellen Jugendgruppen außerhalb der NS-Jugendorganisationen sind aber geeignet, die vielfältigen Verhaltensmöglichkeiten von Jugendlichen jenseits von Zustimmung und Anpassung aufzuzeigen. In Anlehnung an die von Peukert vorgenommene Differenzierung des oppositionellen Verhaltens von Jugendlichen lässt sich eine Rangfolge von Nonkonformität - Verweigerung - Protest - Widerstand feststellen, die allerdings nicht als "Karriere von nonkonformen Verhalten zu politisch motivierten Widerstandsaktionen" zu verstehen ist. (...)

 

Ohne einer unangemessenen Ausweitung des Widerstandsbegriffs das Wort reden zu wollen, scheint es notwendig zu sein, Aufmerksamkeit und Würdigung auch solchen Phänomenen entgegenzubringen, die sich außerhalb eines eng begrenzten Widerstandsverhältnisses befinden. Erst wenn nicht mehr allein der Dualismus von Anpassung und Widerstand im Zentrum der Betrachtung steht, wird es möglich sein, eine angemessene Einordnung der Edelweiß-Piraten vorzunehmen. Die Fragen, wie bewusst und politisch die Motivation und wie mutig das Handeln waren, engen die Suche nach der "historischen Wahrheit" ein. Sie befriedigen auch nicht das öffentliche Interesse am Widerstand, sondern schaffen Abgrenzungen und Zuweisungen im Sinne subjektiver oder gesellschaftlicher Legitimationsbedürfnisse. (...)

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Nachforschungen nach den Edelweiß-Piraten erst dann angestellt wurde, als kritische Sozial- und Geschichtswissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler sich in den siebziger und achtziger Jahren bemühten, den Widerstand von Jugendlichen außerhalb des anerkannten Spektrums öffentlich zu machen. Bis dahin hatte die oppositionelle Jugendsubkultur bei den etablierten Wissenschaften in Westdeutschland wie in der DDR keine ausreichende Berücksichtigung gefunden. Das Thema Edelweiß-Piraten tauchte in der DDR-Jugendwiderstandsforschung wie in der kommunistisch orientierten West-Publizistik nur auf, wenn ein Zusammenhang mit dem kommunistischen Widerstand hergestellt werden sollte.

Nicht nur aufgrund der Zweifel, die an der Zuordnung der Edelweiß-Piraten zum Widerstand bestehen, sondern auch aufgrund ihrer "Schmuddeligkeit" wurden ihre Aktivitäten auch dann nur zögerlich anerkannt, wenn sie de facto oppositionellen Charakter hatten.

 Zentren der Edelweißpiraten und ähnlicher oppositioneller Jugendbewegungen

- Berlin (Swing-Cliquen, Roter Stoßtrupp, Jungbanner, Gruppe Hanno Günther, Gruppe HeinzKapelle, Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, Schwarze Schar)

- Bremen (KJVD)

- Breslau (KPD-Opposition)

- Dortmund (Neuer Sozialismus)

- Dresden (KJVD)

- Duisburg (Edelweißpiraten)

- Düsseldorf (Fahrtenjungs)

- Essen (Fahrtenstenze, Edelweißpiraten, Essener Stenze)

- Frankfurt am Main (Edelweißpiraten, Swing-Cliquen, Gruppe des Sozialistischen Jugendverbandes/SAP)

- Hamburg (Swing-Cliquen, KJVD, Rote Kapelle)

- Hannover (KJVD)

- Leipzig (Meuten, Zelle Zentrum, KJVD, Rote Kapelle)

- Lützkendorf (Rote Kapelle)

- Kassel (Edelweißpiraten)

- Kiel (Rote Kapelle)

- Koblenz (Alabande)

- Köln (Edelweißpiraten, Navajos)

- Krefeld (Edelweißpiraten)

- Offenbach (Edelweißpiraten)

- Stuttgart (G, dj.1.11)

- Thüringen (Rote Kapelle)

 

 

Edelweißpiraten Heute

 

Das Wirken der Edelweißpiraten im Dritten Reich hat nicht nur in den Enklaven historischer Forschung einen, wenn auch sehr verspäteten Niederschlag gefunden, sondern inspiriert heute auch Teile der Jugend, die sich mit dem Namen Edelweißpiraten identifizieren und auf diese Weise das Gedenken an die vom NS-Regime unterdrückte Jugendbewegung wach halten.

 

Hierbei handelt es sich zum einen um Pfadfinderstämme, die eine ähnlichen Freizeitkultur wie die Edelweißpiraten pflegen - gemeinsame Fahrten ins Grüne, gemeinsames Liedersingen u. a. - und zum anderen um jugendliche Aktivisten aus dem Antifa-Spektrum, die sich allerdings nicht als Radikale bezeichnen, sondern als junge Menschen, die sich politisch engagieren und für ihr Engagement auch öffentlich gewürdigt worden sind.

 

Pfadfinderstämme

 

Die Wahrnehmung der Edelweißpiraten durch deutsche Pfadfinderorganisationen ist vielschichtig, die Übernahme des Namens Edelweißpiraten sehr unterschiedlich motiviert. Die heterogene Struktur der Edelweißpiraten und die gesellschaftliche Diskussion um die Frage, inwieweit es sich bei den Edelweißpiraten um jugendliche Widerstandskämpfer oder aber möglicherweise um Kriminelle gehandelt haben könnte, prägen auch die Positionen der Pfadfinder. Von kritischer Auseinandersetzung mit der Edelweißpiraten-Kultur bis hin zu ehrvollem Gedenken reicht das Spektrum.

 

So bezieht sich beispielsweise der Pfadfinderstamm Edelweißpiraten aus Bremen auf seiner Homepage ganz explizit auf den Teil der Edelweißpiraten, den die Pfadfinder in der Tradition der bündischen Jugend sehen - und nicht auf die Köln-Ehrenfelder Edelweißpiraten, die zu politisch gewesen und deren Aktivitäten in Pfadfinderkreisen umstritten sind. Bündische Jugend ist hierbei ein Sammelbegriff, der für Jugendgruppen zwischen 1919-1933 angewendet wird, die gruppen- und erlebnisorientiert und nicht auf die Umsetzung ideologischer Programme aus waren. In Formen der Jugendbünde kam es zur Vermischung von frühen Jugendbewegungen wie den Wandervögeln und dem deutschen Ableger der 1907 in England gegründeten Pfadfinderbewegung.

 

Der Bremer Edelweißpiraten-Stamm benannte sich zuvor nach "Bartholomäus Schink", einem der 1944 in Köln-Ehrenfeld hingerichteten Edelweißpiraten. Aber das pfadfinderische Gebot der Gewaltfreiheit und nicht weiter hinterfragte Gerüchte um mögliche kriminelle Handlungen Schinks ließen den Stamm auf Distanz zu ihm gehen - und den Namen Edelweißpiraten vorziehen.

 

Nicht nur als Name wird das Erbe der Edelweißpiraten durch heutige Pfadfinder lebendig gehalten. Auf Pfadfindertreffen gibt es eine intensive Auseinandersetzung mit Leben, Geschichte und Organisationsform der Edelweißpiraten. Teile ihres Liedguts sind auch heute noch den jungen Pfadfindern vertraut.

 

www.stamm-edelweißpiraten.de

www.action-online.de

(Online.Magazin des Bundes der Pfadfinder)

 

Bundesweite Jugendbewegung und antifaschistisches Netzwerk

 

"Die Edelweiß-Piraten sind eine legale Bewegung, eine politische und keine kulturelle Bewegung. Neben der Antifa-Arbeit läuft in den einzelnen Stämmen teilweise noch viel mehr: z. B. zusammen auf Konzerte und Veranstaltungen gehen, Fahrten ins Grüne, Zelten oder gemeinsames Verreisen, Quatschen über die eigenen Probleme und den Alltag usw."

(Flyertext der Antifa-Bewegung EDELWEISSPIRATEN aus den 90er Jahren)

 

Im Spätsommer 1991, 46 Jahre nach der Hinrichtung jugendlicher Edelweißpiraten in Köln-Ehrenfeld, haben sich junge Menschen in der BRD dazu entschlossen, sich nach den historischen Edelweißpiraten zu benennen und ein bundesweites Netzt politischer Aktivisten gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Sexismus ins Leben zu rufen. Anlass waren damals die Ausschreitungen in Hoyerswerda.

 

"Ziel ist die gegenseitige Unterstützung in der antifaschistischen Arbeit, im Kampf gegen die Nazis und beim Aufbau eigenständiger Strukturen", heißt es in einer Selbstdarstellung, wobei keine ideologische oder parteigebundene Maxime verfolgt wird. Sich Einmischen ohne Dogmatismus und Engstirnigkeit ist das Motto. Dementsprechend gibt es keine hierarchischen Strukturen - nur eine Zentrale in Berlin für die Koordination der einzelnen "Stämme" genannten Untergruppen.

 

Nach eigenen Angaben sind Ende der 90er Jahre die Edelweiß-Piraten in über 100 Städten und Regionen vertreten - nicht nur in Deutschland. Sie definieren sich selbst als Jugendbewegung aufgrund ihres jungen Durchschnittsalters von 14-15 Jahren.

 

"Wir bezeichnen uns als Edelweiß-Piraten. (…) Es gibt heute von uns Ähnlichkeiten zu einem Teil der Edelweiß-Piraten und der Wilden Cliquen. Aber auch heute sind die Gruppen innerhalb der EPIs nicht einheitlich. Während manche tatsächlich "nur" ihre Freizeit miteinander verbringen und zusammen rausfahren, sind andere dabei, verbindliche antifaschistische Strukturen aufzubauen und bewusst Politik zu machen. Wenn wir auch nicht so unterschiedlich sind wie die EPIs damals, so fehlt uns doch die gemeinsame Ideologie. Zwar begreifen sich die meisten Edelweiß-Piraten heute schon als Linke, aber selbst in diesem Rahmen gibt es ja noch eine Menge Spielraum, den wir auch zur Genüge ausnutzen… Wenn man uns heute pauschal als "links-extremistisch" bezeichnen will, dann ist das genauso falsch wie die Behauptung, die Edelweiß-Piraten damals waren alles Kriminelle."

(aus: Antifa Jugendinfo vom 1. August 1993, S. 7)

 

Die Edelweiß-Piraten haben 1995 u. a. für ihre Kampagne "Stoppt Nazi-Zeitungen" die Anerkennungsurkunde des Mete-Eksi-Fonds erhalten. Der Mete-Eksi-Fonds wurde 1992 von der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Berlin und dem Türkischen Elternverein zum Gedenken an den türkischen Jugendlichen Mete Eksi gegründet, der als Schlichter bei Konflikten zwischen Deutschen und Minderheiten aufgetreten ist. Der 19-Jährige war am 13. November 1991 an den Folgen einer gewalttätigen Auseinandersetzung von Jugendlichen deutscher und türkischer Herkunft gestorben.

 

Kontakt:

 

Edelweiß-Piraten

Gneisenaustr. 2a

10961 Berlin

 

  Späte Anerkennung für Edelweißpiraten

Kölner Regierungspräsident: Mitglieder waren Widerstandskämpfer

Der Kölner Regierungspräsident Roters hat die Mitglieder der Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer gewürdigt. Damit erhalten die NS-Gegner eine späte moralische Anerkennung. 1944 hatten die Nazis im Stadtteil Ehrenfeld 13 Edelweißpiraten, darunter auch Jugendliche, hingerichtet.






Die Mitglieder der Kölner Edelweißpiraten, die dem faschistischen Regime Widerstand leisteten, mussten fast sechzig Jahre auf diese Anerkennung warten. Jetzt erklärte der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters, dass es sich bei den vom NS-Regime Verfolgten nicht um Kriminelle gehandelt habe, sondern um politisch Verfolgte und Widerstandskämpfer. Gegenüber wdr.de sagte Roters, dass es wichtig sei, diese Gruppe des proletarischen Widerstands zu rehabilitieren. Und Roters weiter: Es müsse den Umständen Rechnung getragen werden, unter denen die Edelweißpiraten dafür gesorgt hätten, dass Juden versteckt wurden und Zwangsarbeiter Nahrung bekamen.

Roters will das Stigma auflösen, dass die Widerstandsgruppe aus Kriminellen bestand, die beispielsweise gestohlen haben und Munitionszüge zum Entgleisen gebracht haben. Es liege ihm am Herzen, so Roters, dass gerade diese proletarisch geprägte Gruppe, die sich nie durch große Worte in Szene gesetzt habe, die Anerkennung erfahre, die ihr gebühre.

Widerstandskämpfer und keine Kriminellen

Dabei ist sich Roters der Verantwortung seiner eigenen Behörde bewusst: Die Widergutmachungsstelle in der Bezirksregierung habe nach dem Krieg Aussagen der Gestapo höher bewertet, als die von Verfolgten. Dieses Kapitel solle nun aufgearbeitet werden. Es dürfe nicht länger mit zweierlei Maß gemessen werden. Es sei eine Verpflichtung seiner Behörde die ideelle Anerkennung jetzt auszusprechen. Aus diesem Grund solle in Kürze ein Trakt des Kölner Regierungspräsidiums umbenannt werden und so an den wehrhaften Widerstand erinnern, versprach Roters.

Edelweißpiraten: Jugendlicher Widerstand gegen Naziterror

Die Nazis nannten sie "wilde Jugendgruppen". Bei ihnen handelte es sich um lose Gruppierungen von Jugendlichen, erwachsen aus der Wandervogelbewegung. Zu ihnen gehörten auch die Edelweißpiraten, die sich in NRW vor allem im Ruhrpott und im Rheinland fanden. Sie verbrachten zusammen ihre Freizeit beispielsweise bei gemeinsamen Zeltlagern in der Natur. Die Nazis versuchten dem ein Ende zu bereiten. Jugendliche sollten zur besseren politischen Indoktrination möglichst alle in die Hitlerjugendbewegung gepresst werden. Mit steigendem Druck des Naziapparats und Verboten freier Organisationen wuchs der Widerstand. Am Anfang standen Schlägereien mit der verfeindeten HJ, später entwickelte sich militanter Widerstand. Sie versteckten Deserteure, Kriegsgefangene und Juden. Später verübten Edelweißpiraten Attentate auf NS-Funktionäre.

Eine der radikalen Gemeinschaften war die "Ehrenfelder Gruppe", benannt nach dem gleichnamigen Kölner Stadtteil. 1944 wurden 13 Edelweißpiraten von den Nazi-Machthabern in Köln-Ehrenfeld hingerichtet. Sie starben am Strang. Das jüngste Opfer war gerade mal 16 Jahre alt.